Latein

Latein wird am Johannes-Brahms-Gymnasium als 2. Fremdsprache ab der 6. Klasse unterrichtet. Nach der 10. Klasse kann afuf diesem Wege das Latinum erworben werden, das in vielen Studienfächern vorausgesetzt wird. In der Oberstufe besteht die Möglichkeit, Latein als 2. Fremdsprache weiter zu belegen. Hier erfolgt der Unterricht z.T. in Kooperation mit benachbarten Gymnasien. Knapp ein Drittel unserer Schüler wählt in der 6. Klasse Latein. Sie werden zur Zeit von zwei Kollegen unterrichtet.

Latein – eine tote Sprache?

Latein wird zwar heute kaum noch gesprochen, jedoch gibt es sehr viele Argumente dafür Latein zu lernen:

Viele Fachsprachen (z.B. der Naturwissenschaften, der Medizin, der Rechtswissenschaft, der Philosphie etc.) basieren zu einem großen Teil auf der lateinischen Sprache. Fachbegriffe dieser Wissenschaften lassen sich mit Hilfe des Lateinischen leichter herleiten und verstehen. Gleiches gilt für zahlreiche Fremd- und Lehnwörter im Deutschen, die im täglichen Leben, in der Politik, der Wirtschaft und der Werbung benutzt werden.

Latein ist Grundlage für viele europäische, insbesondere für die romanischen Sprachen (Französisch, Italienisch und Spanisch). Dies bedeutet, dass Wortschatz und Struktur in diesen Sprachen fortlebt, deren Erlernen daher erleichtert wird. Auch ein Großteil des englischen Wortschatzes stammt aus dem Lateinischen.

Im Lateinunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler einen selbständigen, kritischen Umgang mit Texten und entwickeln ein Gespür für sprachliche Phänomene. Die intensive Beschäftigung mit der lateinischen Sprache führt dazu, dass man sich die Regeln und Ausdrucksmöglichkeiten der deutschen Sprache bewusst macht, indem man fremdsprachliche Texte möglichst genau ins Deutsche überträgt. Die Konzentration auf die Endungen, welche im Lateinischen z.B. die Zeit und die Satzteile bestimmen, fördert Genauigkeit und Geduld der Schülerinnen und Schüler. Dadurch wird erwiesenermaßen die Kenntnis der deutschen Sprache in den Bereichen der Grammatik, der Sprachtechnik, der Formulierung und des Wortschatzes verbessert.

Die Auseinandersetzung mit der Antike ist ein Schlüssel zum Verständnis der eigenen Gegenwart in vielen Bereichen. Beispielsweise sind auch unser Verständnis von Politik oder Recht sowie viele Teilbereiche von Kunst oder Technik etc. entscheidend durch die Römer geprägt worden. Durch die Antike lässt sich somit ein Großteil des kulturellen Erbes Europas erschließen.

Das Latinum ist an den meisten deutschen Universitäten Voraussetzung für verschiedene Studiengänge. Insbesondere für die Sprachen und andere Geisteswissenschaften wie Geschichte oder Philosophie wird dieser Abschluss an der Uni in Hamburg und in anderen Städten verlangt. An der Uni Halle erhalten angehende Medizinstudenten mit Lateinkenntnissen schneller einen Studienplatz.

Unterrichtsinhalte und -methoden

In Latein sind Aussprache und Rechtschreibung leichter als in den modernen Fremdsprachen, da sich diese mit wenigen Ausnahmen kaum vom Deutschen unterscheiden. Das führt dazu, dass die Sechstklässler sehr schnell Lateinisch lesen können. Die Unterrichtssprache ist Deutsch.

In den ersten Jahren begleitet das Lehrbuch „Cursus Continuus“ den Unterricht. Von Anfang an werden im Unterricht lateinische Texte ins Deutsche übersetzt, wobei treffende Formulierungen gesucht werden. Nach und nach werden die wichtigsten grammatischen Inhalte erarbeitet, wobei immer wieder Parallelen zur deutschen Sprache gezogen werden. Auch in der Wortschatzarbeit werden regelmäßig Bezüge zu den modernen Fremdsprachen und zu deutschen Fremdwörtern hergestellt. Übungen zum Festigen der Grammatik werden abwechslungsreich gestaltet. Durch das Lehrbuch lernen die Schüler zudem verschiedene Textsorten (Brief, Dialog, Fabeln etc.) kennen.

Neben der Grammatik wird im Lateinunterricht auch Sachkunde vermittelt. Die Schülerinnen und Schüler erfahren bereits in der Lehrbuchphase mit Hilfe verschiedener Medien (Lehrbuch, Bilder, Filme, Internet), wie die Römer früher lebten, wie sie technische Probleme lösten, wie sie ihre Kultur anderen Völkern vermittelten und wie sie z.B. die Architektur, die Literatur oder die Politik in Europa beeinflussten.

Nach der Erarbeitung der wichtigsten grammatischen Inhalte wird lateinische Originallektüre gelesen. Die Schüler sind darauf bereits durch die Arbeit mit dem Lehrbuch vorbereitet. Im letzten Schuljahr wurden z.B. die Biographien berühmter Personen (Hannibal) von Cornelius Nepos, Briefe des jüngeren Plinius über den Ausbruch des Vesuv oder die Fabeln des Phaedrus gelesen. In den folgenden Lernjahren und in der Oberstufe werden die Themen Rhetorik, Liebeslyrik, Geschichtsschreibung, Dichtung und Philosophie behandelt. Hier stehen nicht einzelne Autoren im Vordergrund, sondern meistens werden Standpunkte und Stilistik verschiedener Autoren miteinander verglichen.

Methodisch folgt der Unterricht den Ansätzen der modernen Unterrichtslehre. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den verschiedenen Formen des kooperativen Lernens. Die Schülerinnen und Schüler übersetzen beispielsweise häufig Texte in Gruppen, wobei jeder auf spezielle „Signale“ im Text achten oder eine bestimmte Aufgabe erfüllen soll: das Gespräch in der Gruppe moderieren, darauf achten, dass die Aufgabe in der vorgegebenen Zeit bearbeitet wird, unbekannte Vokabeln für die Gruppe nachschlagen usw. Dadurch lernen die Kinder u.a., dass sie durch eine gute Zusammenarbeit leichter zu einem guten Gruppenergebnis kommen. Eine andere kooperative Lernform, die im Lateinunterricht Anwendung findet, ist die Arbeit im sogenannten Doppeltandem. Dabei vergleichen erst zwei Tischnachbarn ihre Arbeitsergebnisse miteinander und anschließend mit einem anderen Tandem.

Projekte und Exkursionen

Um die Lateinische Sprache und den Alltag der Römer lebendig werden zu lassen, werden im Rahmen des Lateinunterrichts Exkursionen unternommen und andere Projekte durchgeführt.

In den letzten Jahren fanden z.B. Exkursionen nach Rom und nach Kalkriese und Köln statt. Die Reisen wurden von den Schülerinnen und Schülern inhaltlich durch Referate vorbereitet, welche im Unterricht vorgetragen und vor der Reise schriftlich zu einem „Stadtführer“ zusammengetragen werden. Vor Ort übernehmen die Schüler dann die Führungen, die zu ihrem jeweiligen Thema gehören. Auch die nähere Umgebung wird ab und zu in den Unterricht eingebunden, z.B. durch einen Theater- oder Museumsbesuch.

Damit Latein auch einmal gesprochen wird, ergibt sich beim Lesen von Dialogen mit verteilten Rollen manchmal die Idee, eine Szene oder sogar ein ganzes Stück auf Lateinisch aufzuführen. Im letzten Schuljahr führten Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen ein kleines Stück in Lateinscher Sprache auf, in dem es um das Urteil des Paris in einem Schönheitswettbewerb unter römischen Göttinnen geht, welcher zum Auslöser des Trojanischen Krieges wurde.

Renate Spiekermann

Webseite des Johannes-Brahms-Gymnasiums in Hamburg